Ein DHB-Pokalspiel in Runde 3 braucht 70 Minuten ...
Ein Handballspiel in Hessen, dass an einem Dienstag (25.10.2011) um 20 Uhr angepfiffen wird... Keine guten Voraussetzungen, um eine große Anzahl Fans für eine Auswärtstour zu begeistern. So waren es auch nur drei Wikingerinnen, die sich mittags mit Trommeln und Fahnen auf den Weg machten. Eigentlich wären wir zu viert gewesen, doch konnte Bianca, die in der Nähe von Wetzlar wohnt, aufgrund eines Trauerfalls in ihrer Familie leider nicht teilnehmen. Du hast uns gefehlt…
Völlig ungewöhnlich für so eine relativ lange Fahrt war die Staufreiheit. Okay…Ingrid hat zwischen Stadum und Hörup einen erwischt, doch lief es danach völlig reibungslos. Auch mal schön. :-) Die Fahrt ging mit viel Spaß, drei Pausen und ansonsten unspektakulär vonstatten.
Da wir so gut in der Zeit lagen, haben wir einen Abstecher zum Hotel Blankenburg gemacht. In diesem Hotel machen so ziemlich alle Bundesligisten Station, wenn sie in Wetzlar und Umgebung spielen. Im Mai 2011 hatten hier aber auch die Eltern und Fans der B1 übernachtet, als es im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen den TV Hüttenberg ging. Damals war uns aufgefallen, dass von den anderen Bundesligisten alte und aktuelle Wimpel an der Wand hingen – von der SG aber nur ein alter. Das Versprechen „Wenn ich das nächste Mal in Wetzlar bin, bringe ich einen neuen Wimpel vorbei!“ hatte ich nicht vergessen und es wurde nun eingelöst.
Wie es der Zufall wollte, starteten unsere Spieler genau in diesem Moment zu ihrem Abschlussspaziergang und unsere 77 ließ es sich nicht nehmen, erst den Fanclub Aufkleber seines Ex-Vereins auf meinem Auto zu bewundern und mir anschließend das Ausparken zu erschweren. Mange tak! ;-)
Fünf Minuten nach Abfahrt am Hotel verstummte das muntere Geplapper und wich andächtigem Schweigen – wir hatten das Ortsschild von Dutenhofen passiert. Zügig ging es
durch den beschaulichen Wetzlarer Stadtteil und schon standen wir vor der Sporthalle. Wir schnappten uns Fahnen, Trommeln und Taschen und stellten uns in die kurze Schlange vorm Eingang. Da wir ja
eine Karte zuviel hatten, fragte Ingrid an der Kasse nach, ob man sie zurücknehmen würde, was problemlos vonstatten ging. Auf Anraten von Bethina kontrollierten wir noch schnell, dass wir
zusammenhängende Kartennummern behalten hatten. Nicht ganz unwichtig, bei unnummerierten Sitzplätzen. ;-) Schon bald wurden die Hallentüren geöffnet und wir konnten uns Plätze in der ersten Reihe
sichern. Mit Ulla und Ivonne gesellten sich zwei weitere SG-Fans zu uns, während Ralf, ein gebürtiger Flensburger, der seit einigen Jahren "im Exil" lebt, und sein Kumpel im SG-Trikot hinter einem
Tor saßen. Eine kleine, aber feine Fangemeinde.
Unsere Trommeln sorgten bei unseren Hinterleuten für Bedenken, was die Lautstärke anging und ein Herr setzte sich sogar um. Öhm!? Unsere Spieler freuten sich hingegen augenscheinlich uns zu sehen, es
wurde gewunken und gegrinst. Die Halle füllte sich zusehends und obwohl das Spiel nicht ausverkauft war, waren fast alle Plätze belegt. Bethina wurde derweil vom wohl hässlichsten Maskottchen der
Liga belästigt – ein blaues Etwas, das laut Aussage unseres Sitzplatznachbarn einen Biber darstellen soll. Wenn man das Ding sieht, kann man nur sagen: Lang leben SiGi und Erik! ;-)
Ob sich unsere Hinterleute später in ihren Bedenken bestätigt sahen, ist nicht überliefert. Allerdings gaben wir vom An- bis zum Abpfiff Vollgas und haben die SG lautstark unterstützt. Die eine oder andere Geste in unsere Richtung lässt vermuten, dass wir zu hören waren, obwohl uns das Heimpublikum zahlen- und lautstärketechnisch doch ein wenig überlegen war. :-)
(....unter der Galerie geht's weiter...)
Die Bildergalerie benötigt mindestens Flash-Version 9.0.28!
Bitte installieren Sie den aktuellen FlashPlayer.
Das Spiel ist schnell erzählt: Eigentlich hatten unsere Jungs das Ding im Griff, ließen die Gastgeber aber immer wieder mitspielen. Knapp vier Minuten vor dem Ende führte die SG mit drei Treffern, agierte dann allerdings ein bisschen zu lässig, so dass die Wetzlarer die Verlängerung erzwangen. Spannung und Dramatik waren nun kaum noch zu überbieten, zudem stieg der Lärmpegel ins nahezu Unermessliche. Wie in alten Zeiten, als die HSG in Dutenhofen beheimatet war, übten die Zuschauer in der kleinen und engen Halle einen ungemeinen Druck auf Spieler und Schiris aus. Am Ende behielten unsere Jungs aber die Nerven und holten den umjubelten Sieg.
Leider erwiesen sich einige Wetzlarer Zuschauer als schlechte Verlierer. Es hatte offenbar nicht gereicht, unserer Mannschaftsbank während des Spiels nahezu ununterbrochen den berühmten Finger (nein...nicht den von Herrn Vettel) zu zeigen, nach Spielschluss brannten bei einigen Leuten endgültig die Sicherungen durch, als sich unsere Mannschaft bei uns für die Unterstützung bedankte. Kein Wunder, dass die Spieler im Anschluss in der Kabine blieben. Einzig die Ex-Wetzlarer Lars K. und Petar mischten sich unters Volk und Mattias traf sich mit Kollegen und Freunden aus Großwallstädter Zeiten. Petar erläuterte uns spontan mit einem sehr breiten Grinsen, dass man die Verlängerung nur gespielt habe, damit sich der Ausflug für uns auch gelohnt habe und das frei gewordene Adrenalin würde uns sicher auf der Rückfahrt wach halten – Jungs, Ihr seid soooo gut zu uns. ;-) Als sich die Stimmung ein wenig beruhigt hatte, kamen auch Figo und Lars B. zurück in die Halle. Wobei Lars schon wenig später „leicht" frustriert war, da sein Mobilfunkanbieter ihn nicht telefonieren lassen wollte, weil er sich außerhalb von Flensburg befand. „Dabei habe ich diesen Home Schei* gar nicht!" Ehrensache, dass er ein Wikingertelefon für den Anruf bei Papa nutzen durfte... ;-) Wir lernten nun auch noch einige sympathische Hessen kennen, die sowohl unserer Mannschaft als auch uns ein Kompliment aussprachen. Am glücklichsten waren sicher zwei kleine Jungen, die sich dank Ljubo ihre Autogramme direkt in der Kabine holen durften.
Später am Bus haben wir noch das ein oder andere nette Gespräch mit unseren Spielern geführt. Auf Thomas' Frage „Fliegt ihr oder fahrt ihr mit dem Zug?" konnten wir nur mit einem müden Lächeln antworten – und der Auskunft, dass wir auf einen staufreien Tiefflug über die Autobahn hofften. Michael freute sich derweil darüber, dass er ab sofort einen „Fanclub" in Hessen hat... Allen merkte man deutlich die Erleichterung und Freude über diesen am Ende hart erkämpften Sieg an.
Wenige Minuten vor Mitternacht ging es zurück zum Auto und ab auf die Autobahn. Ließ man zunächst noch begeistert das Spiel und die Begleitumstände Revue passieren, wurde es schon wenig später ruhig im Auto. Einzig das Radio sorgte für Unterhaltung auf der – zum Glück – stressfreien Rückfahrt. Zwischen 04:40 Uhr und 05:18 Uhr waren alle Zuhause und um 08:45 Uhr war die Erste wieder im Büro. Mit einem Sieg im Rücken geht das (fast) problemlos! ;-)
Zwischenzeitlich wurde die nächste Pokalrunde ausgelost und wir freuen uns auf eine Fahrt zur Lübecker Hansehalle. Theoretisch sollte der VfL Bad Schwartau keine allzu hohe Hürde darstellen, doch warten wir mal ab. Fest steht aber jetzt schon, dass zu dem Spiel deutlich mehr SG-Fans anreisen werden – Mittwochsspiel hin oder her. ;-)
[Hexe Bibi aka Astrid]