"Wir machen die Strandarena zur Hölle Nord..."
...so lautete das Motto für das Gastspiel der B1 beim Titelkonkurrenten Strand 08 am Sonnabend, 30.10.2010. Die Verantwortlichen des SG-Jugendbereichs hatten die tolle Idee, bei der Autokraft einen Bus zu mieten und einen Aufruf zur Teilnahme an dieser besonderen Auswärtsfahrt an Spieler, Eltern und Fans zu schicken. Erfreulich, dass es so eine positive Resonanz auf diese Idee gab und es der erhoffte große Bus war, der sich auf den Weg nach Timmendorfer Strand machte. Aus diesem Grund gibt es zu dieser Partie neben dem Spiel- auch einen kleinen Reisebericht.
Gegen 12 Uhr trudelten die ersten Spieler und Fans auf dem Parkplatz der Wikinghalle ein. Gute Laune und gespannte Erwartung auf das Spiel allenthalben. Dem ein oder anderen B1-Spieler konnte man die Gedanken von der Stirn ablesen: „Wollen die wirklich alle zu unserem Spiel?" Ja – wollten sie! :-)
Um die Konzentration nicht zu stören, reisten die Spieler und ihre Betreuer getrennt von den Fans – also so „wie sich das gehört".
Die neun mitreisenden Wikinger erlebten ein Novum bei Auswärtsfahrten: kurz vor Abfahrt sprang Trainer Klaus Gärtner in den Bus, bedankte sich bereits im Vorwege für die Unterstützung und wünschte allen eine gute Fahrt! Eigentlich könnte Per so etwas doch auch mal machen!? ;-) Dass die Mannschaft ihren mitreisenden Fans diverse Getränke gesponsert hatte, war eine weitere schöne Überraschung. Danke dafür!
Gut gelaunt ging es um kurz nach halb eins los und schon bald hörte man viel Gelächter und ein munteres Stimmengewirr. Während sich die Wikinger vorn im Bus häuslich niedergelassen hatten, beanspruchten die Jugendspieler den hinteren Bereich für sich. Die Eltern mussten folglich in der Mitte Platz nehmen. In Schuby und Büdelsdorf wurden weitere Passagiere aufgenommen, so dass schlussendlich jeder Platz im 48er-Bus besetzt war. Super! Von der Rader Hochbrücke aus wurden ein Containerschiff und ein Segelboot gesichtet – ob dies für zwei Punkte reichen würde?! Mittlerweile hatte sich Trommel-Queen Tanja V. zu den Wikingern gesetzt und lernte nun mehr oder minder freiwillig einige Fanclub-Geschichten kennen. Nach eigener Aussage hat sie sich aber sehr wohl gefühlt bei uns... Kurz vor dem Erreichen von Timmendorfer Strand wurde traditionell die Mannschaftsaufstellung geprobt, bei der es jedoch noch einige Unsicherheiten gab. Aber dank der von Präsi Ingo vorbereiteten Spickzettel klappte es später in der Halle reibungslos mit den Nummern und Namen unserer Youngster. :-) (Nein, Lukas Blohme hat nicht die 198...)
An der Strand-Arena angekommen, formierte sich ein lockerer Aufzug und mit zahlreichen Fahnen und einigen Trommeln ausgestattet, ging es an der Glasfront der Halle vorbei, in der sich die Spieler von Strand 08 bereits warm machten. Ihre Blicke sprachen Bände – so etwas hatten sie weder bislang erlebt noch zu diesem Spiel erwartet. Sehr schön, so hatten wir uns das gedacht! In der Halle wurde zügig der gesamte Mittelblock mit Beschlag belegt und einige Selbstfahrer gesellten sich zu den Busfahrern, hierunter auch der weiterhin verletzte Wikinger Thore Jöhnck. Insgesamt waren es über 60 Leute, die angereist waren, um die SG zu unterstützen. Als unsere Jungs aus der Kabine kamen, konnte man ihnen ansehen, dass auch sie beeindruckt waren von dieser Masse an Fans. Aber im Gegensatz zu den Strandern haben sie sich ganz offensichtlich über unsere Anwesenheit gefreut. :-)
Von Anfang an entwickelte sich eine temporeiche Begegnung, in der Simon Freitag bereits nach wenigen Sekunden das 1:1 erzielte. Christopher „Chrosch" Rudeck parierte und auf der Gegenseite holte Norman Louwers einen 7m heraus, den Per Oke Kohnagel sicher zum 1:2 nach drei Minuten in die Maschen setzte. Auch das nächste Tor wurde durch Per Oke vom 7m-Strich erzielt, nachdem Simon übel im Wurf gefoult worden war. Schon da zeigte sich, dass die Strander an diesem Tag mehr als eine gesunde Härte an den Tag legen würden – nur wurde dies leider zu selten entsprechend geahndet. Indes offenbarten sich in der Flensburger Abwehr immer wieder Lücken, die die Jungs aus dem Lübecker Randgebiet nutzen konnten. Vorne hingegen agierten die Gärtner-Schützlinge oft zu überhastet und konnten die Strander somit nicht ernsthaft unter Druck setzen. Nachdem Simon den Anschlusstreffer zum 6:5 erzielt hatte, wurde er kurz darauf böse gefoult, was aber nur eine 2 Minuten Strafe für den Gegenspieler sowie einen 7m zur Folge hatte. Per Oke bewies erneut Nervenstärke und traf zum 8:6 nach zehn Minuten. Chrosch zeichnete sich nun mit einer starken Parade gegen den freien Linksaußen aus und reckte die Faust gen Hallendecke. Wenig später erkämpfte Norman sich den Ball in der Abwehr und bediente Lukas Blohme mit einem schönen Pass, der sich mit dem 8:7 nach elf Minuten bedankte. Doch statt nachzusetzen und womöglich den Ausgleich zu erzielen, ließen die Jungs von der Flensburger Förde in den folgenden Minuten mehrere Chancen, darunter auch einen 7m, ungenutzt. Strand 08 konnte sich daher einen 4-Tore-Vorsprung erarbeiten, bevor Robin Schäfer auf 11:8 nach 17 ½ Minuten verkürzen konnte. Dass Niels-Jonas Simons zwischendurch deutlich von seinem Gegenspieler im Gesicht getroffen wurde, störte offenbar nur die anwesenden Flensburger... Das 12:8 für Strand fiel nach einem 7m – dies allein wäre nicht so schlimm gewesen, doch die Rote Karte gegen Kim Petersen, erschütterte kurzfristig Mannschaft und Fans. Er selbst wird sich am meisten ärgern, dass er sich zu der verbalen Entgleisung hat hinreißen lassen. Dass ihm in dieser Situation die Sicherungen durchgebrannt sind, ist aber nicht völlig unverständlich... Strand nutzte die Flensburger Verunsicherung und baute den Vorsprung auf fünf Treffer aus. Dann schnappte sich jedoch Norman den Ball und verwandelte einen Gegenstoß sicher zum 13:9 nach 21 Minuten. Auf der anderen Seite war erneut Chrosch zur Stelle und hielt seine Mannschaft im Spiel. Kurz darauf machte Per Oke es Norman nach und versenkte einen Gegenstoß zum 13:10. Einen großen Sonderapplaus verdiente sich im Anschluss Chrosch als er stark gegen den „Liebling" der Flensburger Fans hielt. ;-) 30 Sekunden vor Schluss der ersten Hälfte landete mal wieder eine Strander Hand in einem Flensburger Gesicht. Dieses Mal war es Pelle Schilling, der zu Boden ging und den folgerichtigen Strafwurf mit Dampf und Emotionen selbst im gegnerischen Tor unterbrachte. Kurz vor dem Pausenpfiff gab es dann noch etwas Regelkunde für die Flensburger, denn merke: in Strand darf der Heim-Trainer die Auszeit selbst pfeifen und dabei mitten auf dem Spielfeld stehen. Unfassbar, dass dieses Verhalten vom Kampfgericht und den Schiedsrichtern kommentarlos akzeptiert wurde. Dass der sich an die Auszeit anschließende Freiwurf von der falschen Stelle ausgeführt wurde, fiel da kaum noch ins Gewicht, zumal er nichts mehr einbrachte. Mit 13:11 ging es in die Kabinen und auf der Tribüne war man sich einig, dass es der erwartete heiße Tanz war.
Nach Wiederbeginn dauerte es satte vier Minuten, bis Kristoffer „Krissi" Hennig den ersten SG-Treffer erzielte, es war das 12:14 aus Flensburger Sicht. Per verwandelte einen weiteren Konter zum 15:13, doch brauchten die Jungs einfach zu viele Versuche für ihre Treffer. Nach guten zehn Minuten im zweiten Abschnitt setzte sich Norman sehenswert am Kreis gegen zwei Strander durch und erzielte das 17:15. Auf der Strander Bank befürchtete man offenbar „Backe" am Ball und bestand auf einen Austausch des Spielgeräts... Die SG Youngster ließen sich hiervon jedoch nicht sonderlich beeindrucken – Norman erzielte mit mächtig Power das 18:16 nach 37 Minuten. Chrosch war mit einer weiteren starken Parade zur Stelle und auf der anderen Seite wurde Norman heftig gefoult. Aber wieder einmal gab es nur einen 7m für die SG. Pelle war zur Stelle und verwandelte mit einer guten Portion Wut im Bauch zum Anschlusstreffer. Erneut konnte Chrosch einen Strander Wurf entschärfen und Niels-Jonas traf zum 18:18 nach 39 Minuten. Nachdem Pelle einen weiteren 7m verwandelt hatte und Chrosch erneut gehalten hatte, hatten die Flensburger die Chance zur Führung. Doch ein Schrittfehler verhinderte diese und Strand lag wieder in Front. Die Spannung im Spiel war nun greifbar. Pelle, der ein super Spiel zeigte, suchte und fand den ebenfalls gut agierenden Norman, der zum 20:20 nach 41 Minuten traf. Im folgenden Angriff ließ sich Per Oke nicht lange bitten und erzielte aus dem rechten Rückraum mit viel Dampf das 21:21. Erneut war es Pelle, der als Anspieler glänzte, was Simon zur ersten SG-Führung nach langer Zeit nutzte – 21:22 nach 43 Minuten. Ein weiteres Foul an Niels-Jonas brachte der SG einen Strafwurf (aber mal wieder keine Zeitstrafe gegen Strand). Pelle traf eiskalt zum 22:23. Ein sehenswerter Unterhandwurf vom starken Per Oke bedeutete das 23:24 nach 46 Minuten. Sollte es doch noch klappen mit dem doppelten Punktgewinn? Wikinger Thore gab auf der Tribüne als Vorsänger noch einmal alles und brachte den gesamten Block erneut in Wallung. Chrosch parierte in herausragender Manier einen 7m und eröffnete seinen Farben so die Chance zur zwei Tore Führung, doch sie wollte partout nicht fallen. Stattdessen konnte Strand erneut ausgleichen, bevor Per Oke beim 24:25 den letzten SG-Treffer der Partie erzielte. In der vorletzten Szene des Spiels wurde Marc mit einer direkten Roten Karte sowie einem 7m für eine Aktion bestraft, für die es unter normalen Umständen wohl „nur" eine 2 Minuten Strafe plus 7m gegeben hätte. Der Strafwurf wurde leider verwandelt und so feierten die Strander das 25:25, als hätten sie soeben die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Etwas seltsam, da sie nicht nur deutlich mehr Auswahlspieler in den eigenen Reihen haben, sondern auch das Spiel über weite Strecken beherrscht hatten. Aber wenn man vom eigenen Trainer als Underdog bezeichnet wird, muss das wohl so sein.
Der Flensburger Fanblock ließ sich hiervon jedoch nicht beeindrucken, sondern zollte der eigenen Mannschaft die verdiente Anerkennung und bedachte sie minutenlang mit einem „Flensburg!" Sprechchor. Tolle Geste der Jungs, dass sie trotz der (verständlichen) Enttäuschung zum Abklatschen und „Danke" sagen in den Fanblock kamen. Auch in dieser Szene zeigte sich, dass im SG-Jugendbereich ein großartiges Gemeinschaftsgefühl gelebt wird – es ist schön, auch als Fan ein Teil hiervon zu sein.
Nachdem man an der Halle noch kurz Frischluft geschnappt hatte, ging es zurück in den Bus (beeindruckend, dass alle Mitreisenden auf Ingos Kommando hörten). Nach einer kurzen Spielanalyse und der Feststellung, dass man ein denkwürdiges Spiel erlebt hatte, kehrte schnell die gute Laune zurück und auf den vorderen Plätzen herrschte regelrecht Partystimmung. Wikinger und Eltern bemerkten, dass sie das gleiche Liedgut kennen und fröhlich wurden ein paar Lieder angestimmt – Dieter B. hätte seine Freude an diesen Talenten gehabt... Die Jugendspieler hingegen erwiesen sich als bescheiden, was den Süßwarenkonsum anging und einer von ihnen war extrem treffsicher im Korkenweitwurf. ;-) So ging die Rückfahrt recht zügig vorbei und man war sich einig, dass es nicht die letzte Fanfahrt im großen Bus zu einem Jugendspiel gewesen sein sollte.
An der Wikinghalle angekommen, machten sich die meisten der Mitfahrer direkt auf den Weg in die Halle, um das Juniorteam gegen die zweite Mannschaft vom THW Kiel zu unterstützen.
Im Nachhinein kann man sich sicher ein wenig über die vergebenen Chancen, insbesondere kurz vor Ende der Partie, ärgern, aber so etwas passiert nicht nur B-Jugendlichen sondern auch gestandenen Bundesligaprofis. Also: Kopf hoch, Jungs – im Rückspiel holt Ihr Euch den Sieg! Bitter sind zweifelsohne die beiden Roten Karten, die mit Spielsperren geahndet werden. Aber auch hier heißt es: Kopf hoch, Kim & Marc – bald seid Ihr wieder dabei! Bis es soweit ist, werden Euch die Jungs aus der B2 sicher würdig vertreten. ...und im Fanblock ist immer ein Platz für Euch frei. :-)
Abschließend auch hier nochmals Dank und Lob an die Organisatoren dieser besonderen Auswärtsfahrt. Es hat uns Wikingern viel Spaß gemacht, mit Euch allen die Strand-Arena in die Hölle Nord zu verwandeln.
[Astrid]