Höhenflug des Juniorteams vorläufig gestoppt
30.09.2011 – Bereits am Freitag, und somit knapp zwei Wochen nach der grandiosen Partie bei der SG Wift, musste das Juniorteam bei der HSG Hohn/Elsdorf antreten. Eine Mannschaft, der man in Fachkreisen durchaus eine Top-5-Platzierung zutraut, die aber vor diesem Spiel nur auf Rang 9 lag.
Vor der Mannschaft an der Halle anzukommen, ist zwar ein bisschen seltsam (vor allem wenn die Halle noch verschlossen und man das erste Auto auf dem Parkplatz ist), aber man bekommt auch besondere Erlebnisse geboten. So zum Beispiel Lasse Scharges Theorie zur Mückenplage (wird nächstes Jahr überprüft, Lasse, verlass dich drauf!), Marc „Blocks" Blockus' fachmännischer Kommentar zu RP-2, sowie Morten Dibberts brillantes Auge beim Einparken (der Kantstein hat garantiert vor Schreck einen Satz nach hinten gemacht...). ;-) Interessant war zudem der Vorbericht der Landeszeitung zu diesem Spiel, den ich auf Daniel Finkensteins Handy zu lesen bekam. „Härte" und „einen knackigen Empfang" versprach darin Trainer Thies Schmalfeld unseren Jungs. Muss so etwas sein?!
Gut gelaunt und mit A2-Spieler Justin Brand-Heuer im Schlepptau betrat ich schlussendlich die Halle. Wir reservierten diverse Plätze, da sich nicht nur die Wikinger Ingrid und Sven samt Trommel, sondern auch „Get in touch"-Internatsleiterin Yvonne Kanthak und ihr Mann angekündigt hatten. Neben diesen gesellten sich später noch weitere Juniorteam-Fans zu uns, so dass wir einen richtigen Fanblock bildeten und „den Kampf" gegen den heimischen Fanclub annahmen. Dem „Get in touch"-Vorsitzenden Lewe T. Volquardsen waren wir sogar zu laut – er setzte sich schon nach wenigen Spielminuten um.
Gleich zu Beginn der Partie zeigte sich, dass nicht nur Trainer Klaus Gärtner nervös war, sondern leider auch seine Spieler. Schnell geriet man mit 3:0 ins Hintertreffen, ehe Morten nach fast drei Spielminuten der erste SG-Treffer gelang. In dieser Phase setzten die Gastgeber die Ankündigung ihres Trainers durchaus um und attackierten unsere Jungs frühzeitig. Erst nach sechs Minuten, Paul Weidner hatte sich derweil mit einer schönen Parade ausgezeichnet, konnte Daniel, nach Anspiel von Thies-Jakob Volquardsen auf 5:2 verkürzen. Blocks hielt diesen Abstand mit zwei wuchtigen Würfen aus dem Rückraum konstant, doch verhinderten individuelle Fehler zunächst ein besseres Ergebnis. Nach zehn Minuten zeigte sich, wie gut die Gärtner-Jungs zusammenspielen. Morten blockte einen HSG-Wurf, Thies-Jakob nahm den Ball auf und spielte ihn exakt in den Lauf von Blocks, der auf 7:5 verkürzte. Paul wehrte bravourös einen verdeckten Unterhandwurf ab und vorn legte Blocks auf Rechtsaußen Brijan Schmidt ab, der den Anschlusstreffer erzielte. Simon Hennig agierte bärenstark in der Abwehr und dirigierte nebenbei noch seine Mitspieler. Blocks war in Spiellaune und stellte den Ausgleich her.
Somit war nach 14 Minuten alles wieder offen und die – leider gewohnt – schwache Anfangsphase überwunden. Zwar konnten die Gastgeber noch dreimal in Führung gehen, doch glich die SG immer wieder aus. Zunächst war Daniel nach Anspiel von Thies-Jakob erfolgreich, dann traf Morten genau ins Eck, ehe er einen 7m absolut sicher versenkte. Er war es auch gewesen, der zuvor Jacob Weidner angespielt hatte, der gleich von zwei Gegenspielern zu Boden gerissen wurde und dadurch besagten 7m und zumindest eine gelbe Karte erkämpft hatte. Es war fraglos die beste Phase des Juniorteams in diesem Spiel und auf der Tribüne hatten wir reichlich Spaß. Weniger schön war, dass das Spiel für Daniel bereits vorbei war. Ein Gegenspieler hatte ihn herzhaft Richtung Boden befördert, wobei er offensichtlich unglücklich aufgekommen war und sich seine Probleme an der Achillessehne vermutlich nicht gerade verbessert hatten. Gute Besserung!
Mit freundlicher Unterstützung des Pfostens sorgte Morten nach 19 Minuten für die erste SG-Führung. Die Abwehr stand jetzt sattelfest, was zu einem großen Teil Simon zu verdanken war. Ich betätigte mich ungewollt als Orakel, als ich den von Wikingerin Bethina übermittelten Zwischenstand „der Großen" aus Aschaffenburg mit den Worten „Wir führen mit zwei Toren!" an die Umsitzenden weitergab. Jacob nahm diese Ansage offenbar ernst und traf wenige Sekunden später zum 10:12. Vielen Dank! ;-)
HSG-Trainer Schmalfeld war natürlich nicht entgangen, dass die SG im Spiel angekommen war und nahm folgerichtig eine Auszeit. Dies nützte ihm und seinen Mannen aber erstmal nichts, da sie prompt den Ball verloren. Blocks ging mit viel Druck auf die Abwehr und legte erst im allerletzten Moment auf Jannis Koellner ab, der sich mit dem 10:13 nach 21 Spielminuten bedankte. Noch in der gleichen Minute rannte Lasse nach vorn, fing artistisch den Ball und verwandelte nicht weniger artistisch zum 10:14. Nachdem Simon weiter erhöht hatte, entspannten wir uns im Fanblock ein wenig und verlagerten (zumindest während der Abwehrphasen) einen Teil der Konzentration ca. 630 km südlich, wo „die Großen" bereits in der Schlussphase waren. Vielleicht war das ein Fehler?! Zumindest unterliefen dem Juniorteam nun wieder mehr Ungenauigkeiten, die die HSG konsequent nutzte und innerhalb von zwei Minuten bis auf zwei Treffer heran kommen konnte, ehe Mark Walder mit einer unvermuteten Unterhand-Schelle zum 13:16 erfolgreich war. Paul fing mühelos den Ball, musste jedoch mit ansehen, wie er auf der Gegenseite gleich wieder verloren ging. Ärgerlich.
Die souveräne Phase der SG war vorbei, auch wenn Blocks ein gutes Auge bewies, als er Lasse auf Rechtsaußen sah – 15:17 nach 27 Minuten. Eine weitere Minute später ging erneut eine Toraktion von Blocks aus, als er den Ball zu Morten passte, der ihn zu Simon weiter gab, was dieser zum 16:18 nutzte. Ein schönes Tor, doch richtig sehenswert war die Fangaktion. :-) Kreisläufer Jacob bediente Morten, der zog von Rückraumlinks auf Rückraumrechts und war zum 17:19 erfolgreich. Leider konnten die Gastgeber die letzte Minute noch zum Anschlusstreffer nutzen und hatten den psychologischen Vorteil somit auf ihrer Seite.
Diesem zum Trotz versuchte ich mich in der Pause erneut als Orakel, als ich die erfreuliche „20:21 Sieg!" Nachricht von Bethina bekam. „Auswärtssieg!" teilte ich der gesamten Halle lautstark mit, was mir einige irritierte Blicke einbrachte. Im SG-Block wusste man die Botschaft jedoch zu deuten und freute sich.
Zu Beginn der zweiten Hälfte ließ der Hallen-DJ einfach die Musik laufen, was unsere Jungs offensichtlich so verwirrte, dass die gleich wieder einen Fehler produzierten. Die HSG nutzte dies zum Ausgleich. Die Nervosität vom Spielbeginn auf Seiten der SG war auf unerklärliche Weise zurück gekehrt. Trotzdem schnappte sich Simon den Ball, sprintete nach vorn und holte die Führung zurück. Die HSG konterte und ging ihrerseits mit zwei Treffern in Front. Auf der Gegenseite griff sich Brijan einen Abpraller und wurde auf Kosten eines 7m gestoppt. Erneut trat Morten an und ließ sich diese Chance nicht entgehen – 22:21 nach 34 Minuten. Die Abwehr stand weiterhin aufmerksam, doch gingen die immer wieder erkämpften Bälle vorn immer wieder verloren. Die Jungs wirkten völlig verunsichert – was war da los?
Zum Glück gab es aber auch positive Szenen: Blocks fing einen langen Ball ab, spielte auf Simon und der bediente Thies-Jakob, was im Anschlusstreffer mündete. Die Bank fieberte mit und versuchte, angeführt von Finn Kohnagel, immer wieder die Jungs nach vorn zu treiben. Auf beiden Seiten hatten die kleinen Wischerjungs und -mädchen viel zu tun, da immer wieder ein verschwitzter Spieler auf dem Boden landete... Leon Höck hatte nach der Pause Paul im Tor abgelöst und parierte nun einen 7m. Leider wirkte dies nicht als Initialzündung für seine Vordermänner, denn vorn endete der Angriff gleich wieder in einem Fehlwurf. Erneut gab es einen 7m für die HSG und oben drauf noch eine Zeitstrafe wegen unbedachter Äußerungen. Sollte nicht, kann aber passieren. Kopf hoch! Wenig später hatte Leon das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite, doch führte der eingeleitete Schnellangriff leider wieder im Nichts. Morten betätigte sich im folgenden Angriff als Passgeber, da er Phillip Hinrichsen sah und dieser trotz großer Bedrängnis zum 24:23 nach 42 Minuten traf. Fünf torlose Minuten der SG waren vorüber.
Jannis musste an diesem Tag viel einstecken – vor dem Spiel fing er sich viele Mückenstiche auf dem Parkplatz ein, nach 40 Minuten wurde er am Hals zu Boden gerissen und nach 43 Minuten wurde er beim Konter böse gelegt. Die Schiris entschieden sofort auf 7m und trafen sich am Mittelkreis zur Beratung. Wenig später ging einer von beiden mit der Hand an der Hosentasche auf den Sünder zu – in der Halle ahnte man Böses. Doch handelte es sich bei dem Schiri offenbar um einen kleinen Spaßvogel, plötzlich riss er die Hand nach oben und zeigte dem HSG-Spieler grinsend die berühmten zwei Finger. Es sollte wohl witzig wirken, wirklich fair war es nicht. Morten ließ sich von der ganzen Aktion nicht beeindrucken und verwandelte den 7m souverän zum 24:24.
Auf der Bank zeigten Paul und Finn großes Engagement, auf dem Feld machte Phillip es ihnen nach und setzte sich gegen drei Gegenspieler im Kampf um einen Abpraller durch - nach knapp 45 Minuten war die Führung zurück bei der SG. Leon zeichnete sich erneut aus, allerdings konnte beim folgenden „1, 2, 3 – wer hat den Ball?" die HSG trotz deutlichem Fußspiel den Ball erobern. Spätestens jetzt war klar, dass dieses Spiel des Juniorteams wieder einmal ein spannendes Spiel war, das Fehler hüben wie drüben bot. Leider waren es mehr Fehler auf Seiten der Flensburger...
Die Gastgeber eroberten erneut die Führung, doch Thies-Jakob hämmerte den Ball humorlos zum Ausgleich in die Maschen. Nachdem Phillip beim Wurf der Arm weggerissen wurde, entschieden die Schiris zu Recht auf 7m und eine Zeitstrafe. Morten verkürzte unbeirrt auf 29:28 nach 53 Minuten. Schrecksekunden galt es zu überstehen, als Lasse nach dem HSG-Treffer zum 30:28 zu Boden ging und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die rechte Schulter fasste. Seine Reaktion, als er die Bank erreichte, ließ nichts Gutes ahnen. Bleibt zu hoffen, dass der Schreck größer als die Schwere der Verletzung war. Vorsichtshalber: gute Besserung! Die Halle stand nun – abgesehen von unserer Ecke natürlich – in Angriff und Abwehr lautstark hinter der HSG. Dies hinderte Simon aber nicht daran, in Billardmanier den Anschlusstreffer zu erzielen. Die Gastgeber nutzten ihre Chancen jedoch konsequent und lagen drei Minuten vor dem Ende mit drei Treffern vorn, was Klaus Gärtner dazu veranlasste, eine Auszeit zu nehmen.
Nach 58 Spielminuten warf und traf Thies-Jakob mit dem Mute der Verzweiflung zum 33:30, woraufhin unser Trainer seine Jungs in eine offene Abwehr beorderte, um noch einmal alles zu versuchen. Paul war ins Tor zurückgekehrt und wehrte nun einen Ball mit der Nase ab, doch landete der Ball erneut bei der HSG. Eine bezeichnende Szene für dieses Spiel. Durch die offensive Abwehr ergaben sich Lücken, die die HSG zu nutzen wusste, so dass es trotz einer extrem schnellen Mitte durch Thies-Jakob am Ende 35:31 für die HSG Hohn/Elsdorf hieß.
Der großartige Höhenflug des Juniorteams war unsanft gestoppt worden und es waren reichlich bedröppelte Spieler, die sich im Anschluss an die Partie beim SG-Block bedankten. Vermutlich werden die Jungs noch eine Weile an der Art und Weise der Niederlage zu knabbern haben sowie darüber nachgrübeln, wieso man immer wieder so schwach startet und sich das Leben dadurch unnötig schwer macht. Letztlich muss man aber feststellen, dass die "Schuld" an der Niederlage woanders liegt: A1-Spieler Pelle Schilling und Yvonne Kanthak hätten morgens eben doch den (leicht blutigen) dänischen Sparfuchs an der E45 einsammeln sollen, um ihn in Pauls und Leons Tor zu hängen. Hätte bestimmt eine abschreckende Wirkung gehabt... ;-)
Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die Spieler des Juniorteams am 23.10.2011, wenn um 17 Uhr in der Wikinghalle die nächste Partie gegen die HSG Schülp/Westerrönfeld ansteht, die Köpfe wieder oben tragen werden. Genießt die Pause, Jungs und kuriert die kleinen und größeren Blessuren aus!
[Astrid]