Auswärtssieg im Neumünsteraner Hexenkessel

17.09.2011 – Das Juniorteam war am Samstag bei der SG Wift Neumünster zu Gast und wollte dort den guten Saisonstart bestätigen. Der Parkplatz vor der Halle war bereits pickepacke voll, als ich ankam, so dass ich mit Trommel und Fahne noch ein bisschen durchs Wohngebiet laufen durfte. Schön... Schon an der Kasse wurde klar, dass hier einiges anders ist, als in anderen Oberliga-Hallen – professioneller. Ein schickes Hallenheft, Fanartikel und schön gestaltete Eintrittskarten. Dieser Eindruck setzte sich beim Hallensprecher, den Musikeinspielungen sowie der Videowand fort und nötigte Respekt ab. Manch Zweitligist würde vor Neid erblassen.

 

Die Halle war schon sehr gut gefüllt und ich war froh, dass Yvonne Kanthak mir einen Platz frei gehalten hatte. Gemeinsam bildeten wir einen der kleinsten Fanblocks überhaupt. Neben uns wurde vom Fanclub „Mittelblock" ordentlich Rabatz gemacht und Trainer Klaus Gärtner meinte kurz vor dem Anpfiff grinsend „Ich bin gespannt, ob ich dich heute einmal höre" zu mir. Motivation pur. ;-)

 

Es ging nicht gut los für unsere Jungs, vorne agierte man zu durchsichtig und hinten gab es noch große Löcher. Paul Weidner konnte zwar einen Tempogegenstoß vereiteln, doch dauerte es fast drei Minuten, bis Thies-Jakob Volquardsen per Schlagwurf den 3:1 Anschlusstreffer erzielte. Er war es auch, der nach weiteren drei Minuten auf 5:2 verkürzte. Im Tor konnte sich Paul erneut auszeichnen und vorn bediente Thies-Jakob Kreisläufer Daniel Finkenstein, der nicht lang fackelte und nach acht Spielminuten zum 6:3 traf. Nach einer weiteren Parade von Paul sowie Treffern von Brijan Schmidt und Marc „Blocks" Blockus sah es schon viel freundlicher aus – nur noch 6:5. Yvonne und ich atmeten ein wenig auf. Die Abwehr agierte nun aufmerksamer und konnte dem Gegner des öfteren den Ball abluchsen. Wift vergab zudem in grandioser Manier einen Tempogegenstoß, doch machten es die Gärtner-Jungs nicht besser. Hätte man in dieser Phase vorn genauere Pässe gespielt, nun, wir hätten auf der Tribüne nicht so oft geflucht... ;-) Simon Hennig traf per 7m und schon jetzt wurde klar: es würde ein arbeitsintensives Spiel für die beiden Wischerinnen werden. Kein Wunder, war die kleine Halle doch nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung von Anfang prächtig und auf dem Platz ging es ordentlich zur Sache – kurz: es ging heiß her! Blocks erzielte unter den Augen von Lasse Scharge, der verletzt auf der Tribüne saß, völlig humorlos den 7:7 Ausgleich nach 14 Minuten, die Flensburger waren endgültig im Spiel angekommen. Wift zeigte sich jedoch wenig beeindruckt und ging immer wieder in Führung. Allerdings waren unsere Jungs nun nicht mehr gewillt sich abschütteln zu lassen. Zunächst glich Brijan nach schöner Vorarbeit von Blocks aus und dann folgten drei Simon-Tore in vier Minuten: Simon nach tollem Rückhandanspiel von Thies-Jakob, Simon nach Pass von Morten Dibbert, Simon nach einem weiteren Anspiel von Thies-Jakob. Tolle Leistung des Handewitter Jung', doch versäumten er und seine Kollegen es immer wieder, die Führung zu ergattern.

Blocks zeigte Einsatz und sein Kämpferherz, er warf sich im Angriff einem Ball hinterher und erzielte nur Sekunden später den 12:12 Ausgleich. Hinten parierte Paul in nur wenigen Augenblicken zweimal überragend und dann war es endlich soweit...per Konter traf Morten zum 12:13 nach 24 Minuten. Eine Minute später war er aus dem 2. Stock erfolgreich und somit erneut für die Flensburger-Führung verantwortlich. Auf der Tribüne trommelten und klatschten wir gegen die übermächtig scheinenden Neumünsteraner an und genau wie wir uns immer mal wieder durchsetzen konnten, setzten sich auch unsere Jungs immer mal wieder durch. Einen Fehler von Wift nutzte der pfeilschnelle Thies-Jakob, um einen Konter zum 13:15 in die Maschen zu setzen. Auf der Bank betätigte sich derweil der leider Langzeitverletzte Finn Kohnagel als Motivator und trieb seine Mannschaftskollegen unermüdlich an. Jacob Weidner wurde in der Abwehr von seinem Gegenspieler niedergestreckt (statt auf das fällige Stürmerfoul entschieden die Schiris auf Tor) und musste behandelt werden, sein Bruder half ihm anschließend wieder auf die Beine.

Morten legte drei Minuten vor der Pause auf Simon ab und der traf gewohnt sicher von der Linksaußenposition zum 14:16. Beeindruckend, welche Leistung er in diesem Spiel trotz (oder dank? ;-) ) Anitbiotika-Kur auf die Platte zauberte. Unsere Abwehr stand mittlerweile sattelfest und das, was durchkam, war zumeist eine sichere Beute von Paul, der bärenstarke Paraden zeigte. Mit einem Pass über eine Distanz von ca. 20 cm überraschte Thies-Jakob Kreisläufer Jacob, der aber trotzdem souverän zum 14:17 verwandelte. Simon vertraute nun seinem Torwart und wartete fast an der Mittellinie – zurecht, denn Paul parierte, sah Simon, spielte ihn an und schon stand 14:18. Dies sollte auch der Pausenstand sein, da ein an Simon verursachter 7m leider nichts einbrachte.

 

Außer Yvonne und mir waren noch einige andere SG-Sympathisanten (Eltern und Freunde) in der Halle. Auffällig war jedoch eine Dame, die recht oft, recht laut "Flensburg!" rief. In der Pause erklärte sie uns, dass sie eine Dauerkarte bei der SG-Bundesligatruppe habe und als Neumünsteranerin einfach mal sehen wollte, was das Juniorteam so kann. Schöne Einstellung. Sie wird ihre Anwesenheit nicht bereut haben...

 

Dass Thies-Jakob nicht nur sehr kurze, sondern auch sehr lange Pässe spielen kann, bewies er direkt nach dem Wiederanpfiff, als er Brijan bediente, der nach nicht einmal 30 Sekunden die erste 5-Tore-Führung des Spiels erzielte. Paul war gegen den Rechtsaußen zur Stelle, doch agierte man vorn nun unnötig hektisch, ehe Morten mit einem Tunnel aus der 2. Etage zum 16:20 nach 33 Minuten erfolgreich war. Vorn lief der Ball nun wieder flüssiger durch die Reihen: Morten spielte auf Blocks, der sah den frei stehenden Simon und dieser erhöhte weiter, bevor Blocks im folgenden Angriff mit Urgewalt den Ball zum 16:22 in die Maschen hämmerte.

Wer dachte, dass Wift sich nun ergeben würde, sah sich wenig später getäuscht. Angetrieben von ihrem lautstarken Fanclub konnten sie auf vier Tore verkürzen, doch dann erzielte Simon den 23. SG-Treffer per 7m – der Linksuaßen von Wift hatte Brijan über die Klinge springen lassen... Auf der Bank fieberten Leon Höck, Phillip Hinrichs sowie Juniorteam-Debütant Christoph Krause (aus der SG-Dritten) mit und sahen, wie Paul einen Wurf zunächst mit dem Kopf abwehren konnte, beim Nachwurf allerdings machtlos war. Die Halle brodelte nun förmlich, doch ließen sich unsere Jungs hiervon nicht mehr beeindrucken. Im Gegenteil, es schien sie eher anzutreiben. Jannis Koellner führte klug Regie, Brijan traf nach Anspiel von Blocks elegant von Außen und die SG lag wieder mit vier Treffern vorn. Doch immer wenn es deutlich zu werden schien, kam Wift zurück ins Spiel, langweilig wurde es so nicht...

Nach 41 Minuten übernahm Morten in Unterzahl Verantwortung, schraubte sich in die Luft und traf ins kurze Eck – 22:25, durchatmen. Immer wieder gab es Wischpausen und auch Paul bewies sein Geschick am Handtuch. ;-) Wenig später war er aber auch bei seinem eigentlichen „Job" zur Stelle und wehrte sowohl einen verdeckten Wurf aus dem Rückraum als auch einen Wurf des freien Kreisläufers ab. Die Rückraumkanoniere Morten und Blocks hielten die Gärtner-Truppe mit vier Treffern in Front, Paul entzauberte den Neumünsteraner Linksaußen und Daniel traf nach einem No-Look-Pass von Morten zum 23:28.

Es war noch eine Viertelstunde zu spielen und Wift versuchte jetzt alles, u. a. eine 4:1 Abwehr in Unterzahl. Wenig später stellten sie auf eine 3:2 Abwehr um – neben Morten hatte nun auch Jannis seinen persönlichen „Wachhund". Dieser war allerdings etwas ungestüm und riss Jannis am Hals zu Boden – eine 2-Minuten-Strafe, ein 7m sowie das 25:29 durch Morten waren die Folge. Die Gastgeber gingen derweil immer rustikaler zu Werke, was unsere Jungs immer wieder schmerzhaft zu spüren bekamen. Als Brijan nach einer rüden Attacke zu Boden sank, hatte Physio Michael Brink gut zu tun, um ihn nach mehreren Minuten wieder auf die Beine zu bekommen. Nur gut, dass Brijan weiter spielen konnte. Die Jungs von Klaus Gärtner verfielen nun erneut in Hektik – warum eigentlich? Aus der Heimat verkündete Denise Behschnitt via SMS, dass sie ein gutes Gefühl habe – das beruhigte Yvonne und mich in dem Moment allerdings nur wenig. Brijan kassierte eine 2-Minuten-Strafe und die Halle freute sich, es sollte ihnen aber nichts nützen. Zwar konnte Wift erneut auf zwei Treffer verkürzen, doch dann spielte Blocks exakt in den Lauf von Jannis, der nur noch abziehen musste und Sekundenbruchteile später das 27:30 bejubelte.

Es waren immer noch zehn Minuten auf der Uhr und unser Mini-Fanblock gab weiterhin Gas – genau wie der Rest der Halle. Nachdem die Gastgeber erneut verkürzt hatte, stieg Thies-Jakob trotz Bewachung hoch und schon schlug es oben rechts im Wift-Gehäuse ein. Brijan erhöhte, Paul parierte einen Gegenstoß und schon sollte es eigentlich wieder nach vorn gehen. Doch gab es erstmal einen kleinen Tumult und Diskussionen an der rechten Außenbahn. Aus unserer Perspektive sah es so aus, als hätte man von der Wift-Bank aus, dem nach vorn stürmenden Brijan ein Bein gestellt. Wie kommentierte Yvonne so treffend? „Kann ja mal vorkommen". Nach der nur logischen 2-Minuten-Strafe gegen den Betreffenden war Brijan endgültig der Buhmann, albern. Als Daniel nur zu Lasten eines 7m gestoppt werden konnte, hatte Simon reichlich Spaß auf der Bank, während Morten antrat und sicher zum 28:33 verwandelte. Nervenberuhigung... Wift war nun nur noch mit drei Feldspielern auf der Platte und fand kein probates Mittel gegen unsere Abwehr, was dazu führte, dass auch Blocks augenscheinlich viel Spaß hatte. Wir hingegen hatten immer noch mit unseren Nerven zu kämpfen... Bei einem Zusammenprall im Kampf um den Ball bekam Thies-Jakob unsanft das Knie des Gegenspielers zu spüren und blieb eine ganze Weile liegen. In so einer Situation Schauspielerei zu unterstellen, ist nicht grade fair, liebes Heimpublikum... Die Nerven lagen offenbar ein wenig blank, drohte doch die zweite Heimniederlage der laufenden Saison. Im Anschluss an die Behandlungspause waren mal wieder die Wischerinnen aktiv, wobei sie tatkräftig von Daniel unterstützt wurden. Schöne Geste, des nicht wirklich alten Mannschafts-Oldies.

Wift war nun erneut mit nur drei Feldspielern auf der Platte und Daniel konnte problemlos Morten den Weg zum 28:34 nach 56 Minuten frei sperren. Die Liveticker-Empfänger vermeldeten unisono „Das reicht!" und sie sollten Recht behalten. Es gab zwar noch eine Aktion aus der Serie „Pleiten, Pech und Pannen" von unseren Jungs, doch schadete diese weder unserer Stimmung noch dem Ergebnis. Erstaunlich war allerdings, dass der Fanclub „Mittelblock" den allgemein als „Sieg" bekannten Rhythmus zu trommeln begann. Paul parierte erneut und Blocks feuerte einen weiteren Schuss aus der 2. Etage ab, während Simon bereits am feiern war. Mit einem eleganten Leger über den Kopf des gegnerischen Torwarts hinweg erzielte Mark Walder den letzten Treffer der Partie, da Paul auch wenige Sekunden vor dem Abpfiff noch hellwach war. 29:36 und somit: AUSWÄRTSSIEG!

 

Die Mannschaft feierte ausgelassen im obligatorischen „Hüpfkreis", der am Ende von Morten „umgelegt" wurde. Es folgte – und dafür ein großes DANKE – eine Welle für unseren Mini-Fanblock. Macht doch immer wieder Spaß, in so viele strahlende Gesichter zu blicken. :-)

 

Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass es ein tolles Handballspiel mit tollen Rahmenbedingungen war: Spannung fast bis zum Schluss, Stimmung auf beiden Seiten, viele schöne Tore unserer Jungs – und am Ende gab's den richtigen Sieger. :-)

 

Am kommenden Sonntag, 25.09.2011, ist ab 17 Uhr der THW Kiel II in der Wikinghalle zu Gast. Dann sind hoffentlich auch wieder zahlreiche Wikinger vor Ort, um die Jungs zu unterstützen.

 

Ach so...um auf die Einleitung zurück zu kommen: Als ich auf der Heimfahrt war, bestätigte Klaus Gärtner mir, dass er mich gehört hatte. Ha! ;-)

 

[Astrid]